Bilder
Bücher
Vita/Text
Kontakt
Links

Ausstellungen:

Kunstamt Steglitz/
Galerie Schwarzsche Villa

(Eröffnung:
am 24. Januar 2006 bis 31.3.2006)

Ausstellungsbeteiligung:
"Das Ding dingt"
30.3. - 14.5.2006
Galerie im Stadtmuseum Neuötting
                         

 
 
Kristian Jarmuschek:

Martin Noll - Der Traum von der Lesbarkeit der Welt

Ein Stuhl und eine Wolke, ein Megafon und eine Kerze, ein Fotoapparat und eine Treppe, ein Hirsch, ein Diagramm und Laubbäume. Scheinbar willkürlich kombiniert der Berliner Künstler Martin Noll disparate Gegenstände, stellt sie frei auf malerisch gestalteten Untergründen, in der Größe gleich und auf das Wesentliche ihrer Erscheinung reduziert, manchmal sogar nur als dunkle Schablone im Umriß erkennbar. Kein Wort, keine Schrift erklärt, öffnet irgend einen Sinnbezug. Die nüchtern-sachliche Präsentation der lexikalischen Reihung bildet einen reizvollen Kontrast zum reichen, expressiv strukturierten Untergrund, auf dem die reduktionistischen Gegenstände zu schweben
scheinen. Der Künstler bedient sich verschiedener Druck- und Maltechniken, die er gattungsübergreifend verwendet - er druckt also auf Malerei oder malt auf Druck -, um die Künstlichkeit menschlicher Artefakte mit der vielfältig wuchernden Natürlichkeit des Untergrundes zu konfrontieren.
 




Was nicht zusammenpaßt, wird zusammen präsentiert und löst beim Betrachter zwangsläufig eine Sinnsuche aus. Formanalogien werden befragt, ebenso inhaltliche Zusammenhänge überprüft. Manchmal wird man fündig, manchmal nicht.
Willkürlich scheint der Künstler hier vorgegangen zu sein, doch dabei regiert strengste Logik seine Bilder.
Nach mathematischen Reihen entwickelt Martin Noll einen "Katalog der Möglichkeiten" der Auswahl und Anordnung der Dinge bestimmt. Möglichst wenig eingreifen will der Künstler durch seine Tätigkeit, da für ihn alle Dinge gleichwertig sind.
"Elemente" nennt er sie auch folgerichtig, ein Begriff der ebenso wie die logischen Reihen der Welt der Mathematik und der Naturwissenschaft entlehnt ist. Willkür lehnt er ab, denn die Natur, so der Künstler, ist nicht willkürlich sondern folgt streng logischen Gesetzen. Logische Reihen sind in all ihren Bauplänen enthalten, so auch im jüngst entschlüsselten Genom.
 




Doch was passiert, wenn man die Buchstaben oder Zahlen durch Bilder ersetzt?
Bilder folgen ihren eigenen Gesetzen, nicht denen der Zahlen. Querverweise ergeben sich, Sinnbezüge und Formanalogien, die außerhalb logischer Begrifflichkeit stehen. Martin Noll untersucht mit seinen Bildern diesen Grenzbereich, die Zusammenhänge bzw.Unterschiede zwischen logisch-abstrakter, sprachlicher und bildlicher Begriffbildung, und stellt damit den Traum von der Lesbarkeit der Welt, von endgültiger Entschlüsselbarkeit, in Frage.


 
 
Vita

1960
geboren in Frankenberg/EderS
1981 -1987 Studium der Malerei an der HDK  Berlin
1987 Meisterschüler seit 1995 Mitarbeit an der Unikatbuchedition
"Frankfurter Edition"
1998 Künstlerbuch für die Edition Mariannenpresse
1999/2000 Chretzeturm Arbeitsstipendium, Stein am Rhein
  Ausstellungen (Auswahl)

1990
Kunstamt Kreuzberg, Berlin
1994 Galerie Neue Räume, Berlin
1996 Galerie Paolo Tonin, Turin
           Galerie Steinacker, Koblenz
           Druckwerkstatt im Bethanien, Berlin
           Galerie Rothamel, Erfurt
1997 Galerie Lutz Fiebig, Berlin
           Galerie Feiter & Drees, Hannover
 

1998 Künstlerhaus Berlin Galerie Rothamel, Erfurt
1999 Kunstverein Essenheim, Rheinhessen
2000 Museum zum Lindwurm, Stein am Rhein(CH)
          Kunstverein Junge Kunst Trier
          Galerie Jarmuschek & Partner, Berlin
2001 Galerie Moser, Zug (CH)
           Galerie Jarmuschek&Partner, Berlin
2004 Galerie Jarmuschek und Partner
  Beteiligungen (Auswahl)

1992 Hackesche Höfe, Berlin
1996 "Künstlerbücher", Staatsbibliothek Berlin
1998 Neue Gesellschaft für bildende Kunst, Berlin
2000 Grafische Sammlung, Städelmuseum, Frankfurt/Main
2001 Städtische Galerie "Sohle 1" Bergkamen
2002 Sammlung Arthur Andersen, Frankfurt/M.